Als Grundlage aller Kirchenmusik wird heute der Gregorianische Choral angesehen. Ursprünglich wurde sie als Vokalmusik einstimmig und in lateinischer Sprache von einer Männerschola vorgetragen. Diese Tradition wird heute noch vor allem in Klöstern gepflegt und erlebt seit den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts eine Wiedergeburt. Einerseits in der originalen Form durch die Benediktiner von Solesmes federführend mitgetragen, in vollkommen neuen Melodien und Texten (meist als Meditationsmusik verkannt) als Taizé –Gesänge oder eben Lieder aus Taizé.
Einzig zugelassenes Instrument war ursprünglich die aus Byzanz stammende Orgel. Sie wird heute noch vielfach als Basso continuo eingesetzt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden für sie umfangreiche und bedeutende Kompositionen geschaffen. Johann Sebastian Bach gilt heute vielen als Vollender und Meister einer jahrhunderte währenden orgelkompositorischen Entwicklung. Im modernen Konzertbetrieb hat sich außerhalb der Kirchenmusik die „Orgelsinfonie“ von Camille Saint Saéns als bekanntester Versuch etabliert, die Orgel auch für das weltliche Konzertleben zu nutzen.
Während die Vokalwerke mit Palestrina und Pergolesi Komponisten gefunden hatten, die im Verein mit der Mehrchörigkeit auch Höhepunkte der vokalen Mehrstimmigkeit schufen, entwickelte sich die Kirchenmusik mit der schrittweisen Zulassung anderer Instrumente in größere Vielfalt und konzertierenden Charakter. Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und nach ihnen zunächst Franz Schubert und Ludwig van Beethoven schufen große vierstimmige Messen und andere geistliche Werke mit Orgel- und Orchesterbegleitung. In Frankreich gelangte Marc-Antoine Charpentier zu Ruhm. Sehr bekannt ist heute noch die Ouvertüre seines Te Deum, die von den europäischen Rundfunk- und Fernsehsendern als Erkennungsmelodie für Eurovisionssendungen intensiv genutzt wurde.
Der evangelischen Kirchenmusik verdanken wir neben der grossen Tradition der Posaunenchöre umfangreiche Kirchenlieder in deutscher Sprache. Neben Martin Luther und Paul Gerhard finden wir aber auch in Johann Krüger und Johann Sebastian Bachs Chorälen wertvolles Kulturgut, das sich lohnt, wieder entdeckt zu werden.