Eine besondere Form der Hilfe zur Selbsthilfe:

Kleinkredite für Gründer in der dritten Welt

Das Logo von KivaWeihnachten ist schon ein paar Wochen vorbei und damit auch der alljährlich sich wiederholende Appell auch einmal an die Menschen zu denken, denen es nicht so gut geht auf unserer Welt. Es kommen glücklicherweise immer noch sehr viele Spenden zusammen, jedoch gerade die jüngeren Spender geben ungerne ihr Geld in fremde Hände. Zu selten erfährt man, was mit dem Geld wirklich geschehen ist und wenn, dann oft nur über die Boulevardpresse, dass irgendwo Spendengelder versickert sind. An dieser Stelle setzt Kiva an.

Kiva bedeutet bei der indianischen Bevölkerung in Nordamerika soviel wie Versammlungsraum bzw. Zeromonienraum, also einen Ort an denen Menschen zusammenkommen. Ein ähnliches Ziel verfolgt auch die Webseite. Es sollen hier Gründer und Kleinunternehmen aus der dritten Welt mit potentiellen Geldgebern für Kleinkredite zusammengeführt werden.

So funktioniert Kiva.org

Die zukünftigen Kreditnehmer werden von anerkannten Hilfsorganisationen ausgesucht und auf der Webseite umfassend vorgestellt. Neben einem Foto finden sich Informationen zur Lebenssituation der Bewerber. Sie erläutern zudem welches Geschäft sie aufbauen möchten und welche Ziele sie mit einem Kredit verfolgen und wie hoch der Kredit sein soll. Ein Einschätzung zur Rückzahlung gibt dem Kreditgeber einen Anhaltspunkt, wann er mit der Rückzahlung des Geldes zu rechnen hat.

Wenn ich als Besucher der Webseite einen Kleinkreditnehmer unterstützen möchte, kann ich mich an diesem Kredit beteiligen. Hier kann ich zwischen einer Mindestbeteiligung von 25,- $ bis zu der kompletten Summe alles übernehmen. Die Abstufungen erfolgen in 25,- $ Schritten. Die Bezahlung der Summe erfolgt -ganz amerikanisch- per Kreditkarte oder PayPal.

Profil eines KreditnehmersWenn sich genügend Kleinkreditgeber gefunden haben, wird das Geld über die lokale Hilfsorganisation an den Kreditnehmer ausbezahlt. Dieser investiert das Geld und zahlt es in monatlichen Raten zurück. Neben den Geldeingängen kann man auf der Webseite ebenso verfolgen, wie das unterstützte Projekt gedeiht.

Sobald der Kredit zurückgezahlt worden ist, erhält man es auf seinem Kiva-Benutzerkonto wieder gutgeschrieben. Hiermit kann man dann entweder weitere Projekte unterstützen oder sich das Geld wieder ausbezahlen lassen. Was aber passiert, wenn das Geld nicht zurückbezahlt werden kann? Die Webseite beruhigt: bisher sind 97% der ausbezahlten Kredite auch zurückgezahlt worden, die Ausfallquote ist also recht gering. Wer jetzt jedoch darauf spekuliert Gewinne zu machen mit dem verliehenen Geld, der wird enttäuscht werden. Kiva soll ein rein soziales Projekt sein, Gewinne für die Geldgeber sind nicht nicht vorgesehen.

Kiva ist jedoch auch kein gemeinnütziger Verein, wie die FAQs verraten. Derzeit wird das Projekt von einigen Business Partnern aus dem Silicon Valley getragen, ab 2008 möchte man auf eigenen Beinen stehen. Die Einnahmen sollen dann aus Transaktionsgebühren für die Einzahlung/Auszahlung von Geldern und kleinen Zinserträgen aus den vergebenen Krediten bestritten werden. Dies jedoch nur in der Höhe, wie die Kosten des Projekt es verlangen. Die kompletten Kosten würden so von Kreditgeber und Kreditnehmer getragen werden. Dies mag dem ein oder anderen nicht gefallen, jedoch werden auch aus Spendengelder teile für die Verwaltung verwendet, selten kommen 100% der Spenden den Bedürftigen zu gute. Bei Kiva hat man jedoch einen Einfluss darauf, wen man unterstützen will und sieht wie das Projekt gedeiht. Man profitiert also in sofern davon, dass man durch die regelmäßigen Berichte sieht wie etwas Gutes entsteht und das man mit seinem eigenen Geld dazu beigetragen hat. Dies dürfte für viele ein starker Anreiz sein, hier selbst aktiv zu werden.

Webseite: http://www.kiva.org

22.03.07, ktr